Posts from Shojo in thread „Wie geht ihr mit der permanenten Fremdbestimmung durch eure Kinder um?“

    Weil er einfach auch schon heulend alleine oben im Bett lag, wenn ich ihn angemotzt habe. Auch wenn's weichgespült klingt - ich versuche es schon erstmal auf ruhige Weise, bevor ich zur Furie werde.

    Ja, aber da ist halt die Frage, ob es nicht zwischen ruhig, aber nicht ausreichend, und Furie noch einen anderen Weg gäbe, damit Du nicht am Ende wütend werden musst. Es ist völlig normal, dass es ab und zu rumpelt, und das kriegen ja alle verpackt, aber vielleicht ließe sich die Lage ja mit ein paar Absprachen noch ein bisschen entspannen?

    Er darf jeden Abend noch Hörspiel hören, kommt aber trotzdem ständig runter weil er irgendwas will. Langweilig, oder hat Durst, oder oder. Irgendwann werd ich dann auch sauer und motze ihn an, dass er im Bett bleiben soll.

    Hilft das dann? Und falls ja, weshalb bist Du davor so lange geduldig, bis Du irgendwann wirklich wütend bist? Je mehr Ressourcen Du hast, die nicht für Quatsch verballert werden, desto besser geht es euch allen. Und für Kinder ist es super, wenn sie lernen, in einem vernünftigen Rahmen gut mit sich selbst auszukommen und nicht immer andere fürs Entertainment zu verhaften.

    Für "mir ist langweilig im Bett" hab ich kein duldsames elterliches Verständnis mehr. Arm ab, Blut, technisches Problem beim Hörspiel, Wasserflasche leer, weil Auffüllen vergessen, Klo verstopft, Spinne im Zimmer bei Spinnenangst ... alle vernünftigen Anlässe, bei denen er sich noch nicht selbst helfen kann und die nicht als Vorwand benutzt werden: völlig okay. Entertainment: nope, Sir. Elternfeierabend wird nicht wegen Quatsch gestört.

    Mit dem „Wegsortieren“ wird es mit mehr Kindern aber auch irgendwann einfacher. Meine 10-jährige würde ich wohl nicht 2 Tage alleine zu Hause lassen, bzw. wäre ihr das auch zu langweilig. Zusammen mit der 13- und dem 14-jährigen ist das aber gar kein Thema, die freuen sich wie Bolle, wenn wir mal 2 Tage wegfahren und sie sturmfrei haben.

    Jahaaaa, aber die würden sich ja auch ohne Zehnjährige freuen! Also ist da nix gewonnen, nur ist das dritte dann in diesem Punkt nicht mehr so schlimm! :smiley_emoticons_biggrin:

    Ich bin eine absolute Babymama, so viel kuscheln und Bestimmung über ein Kind hatte ich immer nur, wenn sie ganz klein waren. Für mich wird es schwierig, wenn sie anfangen mir zu widersprechen. :rolling_on_the_floor_laughing:

    Haha, so war das bei meiner Oma auch. Sieben Kinder, im Abstand von im Schnitt drei Jahren, dann kam das erste Enkelkind - sie war praktisch den Großteil ihres Lebens nicht babylos. :rolling_on_the_floor_laughing:

    Da gibts Zoff und jeder Elternteil nimmt sich eins zum spielen in getrennte Zimmer und nach 2 min steht wieder der andere da und will mitmachen. Weil sie so gern miteinander wollen aber es schlichtweg mangels Sprache und noch nicht ausgereifter Frustrationstoleranz nicht hinbekommen.

    Hahaha, ja, ich sehe es richtig vor mir. Und da braucht man dann irre viel Geduld und Auszeiten und irgendwann Haartönung und Krückstock. :woozy_face: Ich sag ja, ich weiß, warum wir nur eins haben. Ich hätte zwei nicht hinbekommen, ohne mich zu erschießen oder eins der Kinder - oder beide - aus dem Fenster zu werfen. Nicht mal zwei ziemlich ausgeglichene Kinder, glaub ich. Bin dafür einfach nicht gemacht.

    Schwierig, aber ich glaube das sind einfach diese ätzenden Phasen, durch die man durch muss. Ich fürchte gerade bei Geschwisterkonflikten, hauen, ärgern usw. hilft nur die Reife. Ich glaube das lässt sich nicht einfach wegerziehen.

    Und manchmal muss man auch das ältere Geschwisterkind vor dem jüngeren beschützen. So wie man bei Hunden und Katzen darauf achten sollte, dass sie einen Rückzugsort haben, der für die Kinder vollkommen tabu ist, so brauchen das auch Kinder - einen Rückzugsort voreinander. Bei kleinen Kindern kann das ein bestimmter Platz im Wohnzimmer oder in der Küche sein, damit sie nicht allein im Zimmer verschwinden müssen. Eine Freundin hat zwei runde grüne Teppiche angeschafft, und wenn eins der Kinder ungestört sein will, holt es sich einen davon und setzt sich darauf. Dann wird es absolut in Ruhe gelassen, und wenn das Geschwisterkind es nervt, kümmern sich die Eltern darum. Nicht das Kind selbst.

    Man kann nämlich gegen kleine nervende Geschwister letztlich nur eine effektive Sache unternehmen: ihnen wehtun. Ich hab nach tausend Ermahnungen an meine Schwetser immer irgendwann gehauen, damit sie weggeht, und weil sie nie gehört hat, hab ich die Ermahnungen immer weiter weggekürzt, bis ich schließlich in der Sekunde, in der ich merkte, ich hab keinen Bock mehr auf sie, ihr einfach aus dem Nichts eine reingehauen hab. Wirkte von außen natürlich gemein, war aber schlichte Notwehr. Sie kam einfach immer wieder in mein Zimmer.

    Und so was muss man als Eltern dann auch sehen und vernünftig lenken und beiden Kindern helfen, das ist nun mal Elternjob. Macht man das nicht, finden die Kinder ihre eigenen Wege. Und die sind oft nicht sehr schön. Aber sie haben nicht um ihre Geburt gebeten, man selbst hat sich aber dafür entschieden, also.

    (Deshalb haben wir nur ein Kind - mir war vollkommen klar, dass mein Nervenkostüm nur für 0,9 Kinder reicht, es war also mehr als ausgelastet mit einem. Zwei hätten mich in den Wahnsinn getrieben, kann ich nicht, will ich nicht.)

    Wir hatten im Kinderzimmer eine große Tobeecke eingerichtet, Polster unten und an den zwei Wandseiten, da konnte man dann durchs Zimmer rennen und sich mit Karacho reinwerfen, oder an der Sprossenwand daneben hochklettern und aus zwei Metern Höhe runterspringen. Getobt haben wir auch sehr oft (machen wir immer noch), und rennen durfte er natürlich auch. Nicht ununterbrochen, nicht frühmorgens oder spätabends, aber ein grundsätzliches Gebot, dass in der Wohnung nicht gerannt werden darf, finde ich mit Kindern sehr schwierig. Für ein Kind mit normalem Bewegungsdrang frustrierend, für eins mit viel Bewegungsdrang eine echte Qual. Wenn ihr nicht einen Garten habt, in den er dann sofort rauskann - wo soll er denn mit der Energie hin, um Himmels willen?

    Ich selbst hab immer noch oft schreckliche Bewegungsdrangschübe, dann gehe ich klettern oder aufs Wasser, wenn das nicht geht, renne ich um den Block oder geh auf die Rudermaschine oder mach ein, zwei Trainingszyklen (oder bekletter den Kerl). Wenn ich damit nirgends hinkann, werde ich absolut unerträglich. Ich weiß nicht, ob Du das Gefühl kennst, aber es ist erst ein Kribbeln in den Beinen und im Hinterkopf, dann auf der ganzen Haut, dann fangen die Füße an zu zucken, und wenn ich mich nicht spätestens dann bewege, dann wird mir übel, und ich werde wirklich grantig. Als Kind MUSSTE ich manchmal rennen, auch sehr plötzlich, es schoss wie ein Stromstoß in mich, und wenn ich es nicht in Bewegung umgesetzt hab, dann war der Ofen KOMPLETT aus, dann ging nix mehr.

    Meine Eltern haben Sprüche notiert, und ich hab den hier gerade rausgesucht (da war ich vier):


    "Wir haben Besuch, Shojo hat wenig geschlafen und ist müde und gereizt. Sie fährt wie wild mit der Karre durch die Wohnung und sagt: Jetzt muss ich einfach was Wildes tun, sonst flipp ich aus!"


    So. Wenn ein Kind "spinnt", wenn es immer wieder "schwierig" ist, dann ist das oft kein Erziehungsproblem in dem Sinne (obwohl ich es wirklich nicht zielführend finde, wenn ich Sachen, die das Kind längst weiß, dreimal sagt, und erst beim vierten Mal unterbindet ihr das ... er weiß es, also reicht eine Ermahnung so was von völlig, alles andere ist in meinen Augen wirklich Quatsch), sondern das Kind hat irgendwelche wichtigen Bedürfnisse, die derzeit nicht erfüllt werden. Unser Kind neigt dazu, mich anzugehen, mit Sprüchen oder indem es beim Toben ungewohnt grob ist, und es steckt immer, absolut IMMER derselbe Grund dahinter: Kontaktbedürfnis. Er macht das, wenn ich zu viel arbeite, wenn ich konstant mit den Gedanken woanders bin, wenn er eifersüchtig ist, weil ich einen seiner Kumpels so gern mag und er das Gefühl hat, ich hätte lieber den als Kind, solche Sachen. Da haben Ermahnungen noch nie geholfen, denn das, was dahintersteckt, ist so elementar, dass es sich Bahn brechen MUSS.

    Ich tu unserem Kind keinen Gefallen damit, wenn ich mir das gefallen lasse, aber ihn dafür einfach abzustrafen geht auch komplett an der Sache vorbei. Inzwischen kann er es auch anders äußern, aber lange war es so, dass ich das als Signal genommen habe, um zu schauen, was gerade bei uns los ist. Und dann hab ich mir Zeit für ihn genommen, wir haben gekuschelt, geredet, sind zusammen auf den Spielplatz gegangen. Dann musste er sich meine Aufmerksamkeit nicht erkämpfen, sondern hat sie bekommen, und ich hab ihn auch gefragt und das mit ihm gemeinsam benannt. Weil kleine Kinder das noch nicht allein können. Dafür sind Eltern da. Eltern müssen sich Gedanken machen, was bei ihren Kindern gerade los ist, was sie brauchen (nicht wollen, sondern wirklich brauchen), und sie müssen dafür sorgen, dass die Kinder es bekommen. Das ist unser Job, wenn wir Kinder bekommen.


    Wenn Dein Sohn fernsehen will, dann ist es nicht das, was er braucht. Aber wenn er so ein Theater macht, dann braucht er etwas, das er in dem Moment nicht bekommt und was das Fernsehen in dem Moment halbwegs ersetzen könnte, weil es seine Aufmerksamkeit ausreichend in Anspruch nimmt, um ihn von diesem unerfüllten Etwas abzulenken (bei kleinen Kindern sind das meistens: Bewegung, Schlaf, echte elterliche Aufmerksamkeit, Hunger, Durst).

    Heute Nacht wanderte mein Sohn wieder ständig zu uns. Ich hab ihn 3 Mal zurück gebracht und bin wie immer bei ihm geblieben bis er schlief. Beim 4 Mal musste ich hier an den Thread denken und habe ihm einfach nur gesagt, er soll ins Bett und da liegen bleiben bis er eingeschlafen ist. Er stand nochmal 2 Minuten später an unserem Bett. Ich habe mich dann nochmal wiederholt und dann ist er tatsächlich zurück in sein Bett und ist da geblieben. Nicht die ganze Nacht, aber immerhin die nächsten 1-2 Stunden und da schlief ich schon und hab gar noch gemerkt, dass er ins Bett kam 😊 Ich lag die ersten 10 Minuten tatsächlich bisschen irritiert in meinem Bett, da ich nicht gedacht hätte, dass es klappt 😅

    Es gibt im Englischen die Wendung "The word with the bark on it". Bark wie Bellen, es steht dafür, etwas mit echtem Nachdruck zu sagen, weil man es exakt so meint. Viele Menschen sagen fast nie etwas mit "bark on it", manche kläffen die ganze Zeit rum, was sich dann sehr abnutzt. Aber meiner Erfahrung nach ist es ausgesprochen deutlich zu spüren, dieses "bark", wenn es echt ist. Und Kinder hören das auch schon sehr deutlich.

    Deshalb klappen Dinge oft erstaunlich gut, wenn sie eben sein müssen und es keine Alternative gibt. Oder wenn man eben wirklich dahintersteht und nicht insgeheim denkt, etwas klappt sowieso nicht, wäre irgendwie gemein oder man hätte kein Recht dazu, es zu verlangen.


    Es freut mich riesig, dass ihr eine angenehmere Nacht hattet!!

    Wenn mein Kind mir absichtlich weh tut, ist das Spiel direkt vorbei. Beim Hauen das gleiche. Mein Mann lässt zu, dass unser Kind seinen Frust körperlich an ihm auslässt, weil er ihn noch für so klein hält (das Kind ist 20 Monate alt). Für mich kam das von Anfang an nicht in Frage. Ich mache, wenn ich gehauen werde, maximal einmal eine sehr deutliche Ansage. Spätestens beim zweiten Mal stelle ich meinen Sohn ein paar Meter entfernt wieder ab, wenn er mich, unsere Tiere oder andere Kinder haut.

    Ich glaub, es ist gar nicht verkehrt, wenn Kinder da unterschiedliche Reaktionen kennenlernen.