Posts from Dr. Faustus in thread „Aktivismus - Wahn oder Sinn?“

    Natürlich ist die Anzahl genauso ein Problem! Die Welt hat nur begrenzt Platz und Ressourcen - und neben uns Menschen muss es ja auch noch genug Raum für Natur und Tiere geben.

    Ja sicher. Aber von dieser physischen Sättigung des Planeten sind wir ein ganzes Stück entfernt.

    Nirgends auf der Welt geht es den Menschen besser als im dicht besiedelten Europa.

    Sie wollen es nicht und sie brauchen es nicht, und das wird undifferenziert auf die restliche Gesellschaft übertragen.

    Eine steile These.

    Ich kenne allerdings eine Menge Leute, die ganz bewusst Verzicht üben.

    Dass man sich dann damit einrichten kann und kein Grund zur Selbstentleibung besteht, ist ja der optimistische Funken Hoffnung in dieser ganzen Geschichte.

    Darum finde ich, es sollte kein Tabuthema sein, darüber nachzudenken, wie man die Bevölkerungsexplosion bremsen kann.

    Die Bevölkerungsexplosion ist längst gebremst. Der Anstieg verlangsamt sich bereits deutlich, nach dem Maximum in den 2060er Jahren wird die Bevölkerungszahl wieder sinken.

    Und ja, das Problem ist nicht die große Zahl der Menschen, sondern der Lebensstil der wenigen Reichen (im globalen Maßstab). Hier sollte man ansetzen.


    Weltbevölkerung: Mehr als 8 Milliarden Menschen auf der Erde | BR.de
    Die Marke von 8 Milliarden Menschen ist geknackt. Und es werden jede Sekunde mehr. Doch das Wachstum der Weltbevölkerung verlangsamt sich.
    www.ardalpha.de

    Das ist nicht falsch.

    Ist es doch.

    Der Artikel hebt auf das Entweichen von Methan beim Fracking und auf Lecks ab. Das sind technische Probleme, die mit entsprechendem Willen lösbar sind.

    Wovon ich rede ist, dass bei der Gewinnung von einer kWh Energie aus Erdgas ca. 200 g und bei Kohle ca. 800 g CO2 entstehen, das Vierfache!

    Tja, und die Lecks beim Erdgastransport muss man halt abdichten. Beim Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft wird ein wesentlich größerer Aufwand zur Abdichtung der Leitungen auf uns zukommen.

    GasExit Aktionswochenende 27./28.08. Berlin

    Zitat aus deinem Link:

    "Dabei ist Erdgas genauso klimaschädlich wie Kohle"

    Das ist falsch. Bei Kohle erfolgt die Energiegewinnung durch die Reaktion von Kohlenstoff mit Sauerstoff zu CO2.

    Bei Erdgas reagiert neben dem Kohlenstoff im Methan auch Wasserstoff zu Wasser. Und das ist in diesen Mengen nicht klimarelevant.

    In dieser Absolutheit ist die Aussage Unsinn. Natürlich können auch friedliche Demos etwas bewirken. Man kann aber nicht bei jedem Thema erwarten, dass am Tag nach der Demo alles geändert wird. Das ist auch nicht der Sinn von Demos. Der Sinn besteht darin, zunächst mal Aufmerksamkeit zu erzeugen für Dinge, die der Gesetzgeber bislang nicht ins Auge gefasst hat. Wenn das gut gelingt, wird ein parlamentarischer Diskurs in Gang gesetzt. Wenn dabei Mehrheiten für die Sache gefunden werden, dann wird es eines Tages Gesetz. So läuft es nun mal in einem demokratischen Staat.

    Aha.

    In Berlin finden im Jahr ca. 1800 angemeldete Demostrationen statt, jeden Tag fünf. Vielleicht gehst du die Liste mal durch, und schaust nach, in wieviel Fällen das so gelaufen ist. :rolling_on_the_floor_laughing:

    Denn - praktischerweise - fordert die eine Demo das Gegenteil von der anderen Demo.

    Demos dienen zur Triebabfuhr, was natürlich per se nichts Schlechtes sein muss.

    Aber dass da irgendwie die Entscheidungen des Parlaments beeinflusst werden, ist wohl ein frommer Wunsch.

    Also standen Aufwand, d.h. das, was an Maßnahmen durchgeführt wurde und der Nutzen für die Gesamtheit der Bürger in einem als gut zu bezeichnendem Verhältnis. Dann, kann man sagen, hat man alles richtig gemacht.

    Stand heute sind in Deutschland ca. 145.000 Menschen an und mit Corona gestorben. Das kann man schulterzuckend zu Kenntnis nehmen und gar nicht so übel finden. Meine Meinung ist das aber nicht.

    War das eigentlich, im Nachhinein betrachtet, alles okay, angemessen, und richtig? Ernstgemeinte Frage!

    Das hängt davon ab, welche Zielkriterien man definiert. Rechtlich war das - soweit ich das einschätzen kann - sicher alles legal.

    Ob die Pandemie so auf die effektivste Weise bekämpft wurde, kann man bezweifeln.

    Deinem Gedankengang folgend müsste dann aber Demokratie durch etwas ersetzt werden, was mindestens dieselbe Legitimität erzeugen kann. Das wird nicht einfach.

    Das ist sogar sehr einfach: Über 1+1=2 muss man keine demokratische Entscheidung herbeiführen.

    Datenerfassung, Algorithmen, Deep learning sind die Zauberworte.

    Ich denke, in wenigen Jahren wird es Programme geben, die man mit den Ausgangsbedingungen einer Pandemie füttert, und die Software spukt die Maßnahmen und Verhaltensregeln aus. Wozu braucht es da einen Gesundheitsminister?

    Nein, daran scheitert die Demokratie nicht, sonst hätte es ja nie eine gegeben. Es ist seit jeher schwierig bis unmöglich, politische Entscheidungen objektiv und allgemeingültig sauber in gut und schlecht zu trennen. Schon deshalb, weil individuelle Ziele unterschiedlich und dennoch gleichermaßen legitim sind. In einer Demokratie versucht man darum ja, einen Kompromiss zu finden oder, sofern das nicht möglich ist, gilt die Mehrheitsmeinung.

    Ich rede ja gar nicht von heute und der nahen Zukunft.

    Der Vorteil der Demokratie ist, dass sie Legitimität erzeugt, nicht dass demokratischen Entscheidungen per se richtig oder gar weise sind. Es gibt unzählige Beispiele für katastrophale Fehlentscheidungen und sogar monströse Verbrechen, die mit demokratischer Legitimation herbeigeführt wurden (Beispiele gern auf Nachfrage).

    Wenn man also Legitimität erzeugen kann, weil Entscheidungen mit quasi naturwissenschaftlicher Gesetzmäßigkeit richtig sind, dann ist Demokratie, wie wir sie heute verstehen, obsolet.

    Und ich denke, so wird es kommen...

    Der Begriff Demokratie ist natürlich positiv besetzt, und wer wäre da nicht gern Demokrat.

    Zum Beispiel die "Demokratische Volksrepublik Korea" oder die "Deutsche Demokratische Republik".

    Wenn wir von Demokratie sprechen, meinen wir aber unsere verfassungsmäßige Ordnung, und die ist natürlich nicht zu hinterfragen.

    Selbst wenn man die Demokratien im engeren Sinne - also Mehrparteiensystem, gewähltes Parlament und abwählbare Regierung - vergleicht, gibt es ja eine riesige Spannweite.

    Was mit "Schlechtem" geht, geht auch mit "Gutem". Wenn der Wille da ist geht einiges.

    Was gut und schlecht ist, liegt aber bei uns in den Interessen des Einzelnen begründet.

    Man müsste also herausfinden, was objektiv gut oder schlecht ist. Und daran scheitert die Demokratie...