Posts by Meshuggle

    Ich hab am Samstag Spinat-Käse-Knödel gemacht. Ganz normaler Semmelknödelteig, aber mit Blattspinat (blanchiert, ausgepresst, klein geschnitten) und wüzigem Käse. Die Konsistenz fand ich super, hab sie ganz fest gedrückt, aber trotzdem sind sie mir beim Kochen komplett zerfallen. Als ich nach 5 Minuten reingeschaut habe, hatte ich einfach Knödelsuppe. Habe es nach einer Weile abgeschöpft, nochmal ausgedrückt und den Brei dann angebraten, aber eigentlich war es einfach nur ein widerlicher Misserfolg, bah :confounded_face:

    Ich bin zum ersten Mal seit langem auf Dienstreise und als der Zug in Richtung Norden losgefahren ist, hatte ich das Gefühl, seit Monaten mal wieder richtig atmen zu können. Als ich dann gegen 19 Uhr in Bonn angekommen bin, hab ich nur schnell meine Sachen ausgepackt, bin der Tram ein gutes Stück rausgefahren und dann am Rhein von Wesseling nach Bonn zurückgelaufen. Gegen MItternacht war ich erst wieder im Hotel, unterwegs in zwei Kneipen eingekehrt und je ein Kölsch getrunken. Podcast auf den Ohren.


    Heute sind meine Beine angenehm schwer und mein Kopf mal wieder frei. Das tut so gut, ich kann es kaum in Worte fassen. Ich wünsche mir so sehr für meine Frau, dass sie auch bald mal wieder richtig raus kommt.

    Ich hatte ja neulich geschrieben, dass es von Seiten der EU-Generaldirektion Landwirtschaft (DG-Agri) ein Papier gibt, wie man den Landwirten nach den Protesten entgegenkommen kann. Wobei entgegenkommen kein Ausdruck ist, ich würde es eher "überholen" nennen. Deutlich mehr Geld, schwächere Auflagen, vereinfachte Kontrollen. Fraglich war bisher nur, ob das von der EU-Kommission so durchgewunken wird. Aber: gestern hat Ursula v.d. Leyen eine weitere Amtszeit angekündigt und die rechten Fraktionen haben Zulauf. Für mich ist es inzwischen unvorstellbar, dass sie sich hinstellt und irgendeine Forderung ablehnt. Bei dem Tempo, das man da gerade an den Tag legt, wird das alles wohl noch zu dieser Förderperiode ab 15. Mai greifen.


    Gleich ist ein Treffen mit EU-Vertretern, da werden wir das als Frage einbringen, aber ich schätze, die sind genau so überrumpelt worden wie wir.

    Spannend, was man hier so liest. Vieles kommt mir bekannt vor.


    Ich hatte darüber im anderen Faden (Fremdbestimmung) schon was geschrieben. Meine Schwiegereltern kümmern sich viel und auch gut. In deren Seite der Familie herrscht die Philosophie vor "Eltern geben alles für ihre Kinder". Das ist für uns natürlich super schön, manchmal mir sogar unangenehm. Nicht alles finde ich toll, es gibt auch Reibereien von Dingen, die ich eben nicht gut finde, aber das ist ganz bestimmt normal und in fast allen Elternhäusern so. Die Schwiegereltern haben aber noch 4 andere Enkel und auf die passen sie auch oft auf. Wir können und wollen ihnen nicht zu viel abverlangen, deshalb bleibt es meistens bei 1x Besuch pro Woche, aber wenn es wichtig ist, können wir jederzeit sofort hin.


    Meine Eltern sagen immer, sie möchten gerne helfen, aber es ist der Wurm drin. Einerseits habe ich oft das Gefühl, dass das Helfen mehr aus einer Art Egoismus heraus passiert. Also helfen ja, weil man sich dabei gut fühlt, aber nur solange es nicht schwierig wird. Meine Mutter kommt manchmal nachmittags vorbei, aber dann habe ich eher das Gefühl, ich habe einen Gast, den ich bewirten muss. Sie stellt sich ungeschickt an, wirkt so ideenlos und der Große rennt deshalb immer zu meiner Frau oder mir. Andererseits redet sie mir viel rein. Und bei meinem Vater ist es schlimm, er hat die Erwartungshaltung, dass wir als Kinder ewige Dankbarkeit für unsere eigene Erziehung haben sollten. Wenn wir eine harte Woche hatten und ein Angebot zu Kaffee/Kuchen fürs Wochenende ausschlagen, ist er gerne eingeschnappt. Wenn wir sagen, dass es uns nicht gut geht, weil Problem A und B kommt kein "oh, das klingt fies, sollen wir vielleicht was zu Essen machen?" sondern "na, kein Wunder, weil ihr macht es ja auch nicht richtig". Oder: "ihr müsst halt sagen, wenn wir was helfen können" und wenn wir das formulieren, stehen wir gefühlt wieder in ihrer Schuld, oder es ist so, dass es uns keine Hilfe ist. Wir mussten mal das Zimmer weißeln und meine Mutter kam, um den Sohn zu nehmen. Irgendwie war uns klar, dass sie den ganzen Tag bleibt, aber sie musste nach 3 Stunden wieder gehen, um daheim meinem Vater was zum Essen zu machen. Wir standen da, alles voller Farbe, wussten nicht, was wir machen sollten. Sowas meine ich, deshalb fragen wir inzwischen auch gar nicht mehr. Wir würden unsere Kinder nie allein dort lassen. Der Große ist gefühlsstark und wir wollen nicht, dass er dort zu Dingen genötigt und gedrängt wird, oder sich dumme Sprüche anhören muss. Wenn wir sagen "bitte macht das nicht so und so", stimmen sie zu, machen es aber irgendwann trotzdem. So war es auch mit Fotos, wir haben gesagt, sie sollen sie bitte niemandem weitergeben. Irgendwann hab ich erfahren, dass meine Mutter sie irgendwelchen E-Mail-Freundinnen aus Australien schickt, mit der Begründung "ach, aber die sind doch so weit weg. Außerdem versteh ich wirklich nicht, warum ihr da so einen Terz deswegen macht". Tja, keine Kinderfotos mehr für meine Eltern.


    Also, ja, Unterstützung ist da. Aber ein freier Abend ist utopisch, den gibts bei uns nicht (aber auch aus anderen Gründen). Auch zu Freunden hat sich der Kontakt extrem reduziert. Ein paar gute besuchen uns hin und wieder, aber ehrlich gesagt laden wir auch nur die ein, von denen wir wissen, dass sie uns eine Hilfe sind. Wir haben gerade einfach keinen Nerv für Kochen, Bespaßen, Sozialisieren. Mein bester Freund kann im Alleingang 2 h den Großen mit Fantasiespielen beglücken, in der Zeit habe ich teilweise schon den Haushalt gemacht, für den ich sonst die ganze Woche brauche. Das ist grandios und alles andere hat momentan in meinem Leben kein Platz leider.

    gibt es denn irgendwo eine kurze, "offizielle" zusammenfassung, wie sich "die" bauern ihr geschäft vorstellen?

    Die kann es aus meiner Sicht nicht geben, weil der Protest nicht koordiniert, sondern heterogen ist. Es sind ja auch immer wieder die Zulieferer, Speditionen und Handwerksbetriebe mit dabei. Die Bauernverbände begrüßen grundsätzlich den Protest, mahnen aber zum Einhalten der Regeln und distanzieren sich in regelmäßigen Abständen von bestimmten Plakaten und Aktionen. In den unionsgeführten Ländern erhalten sie zudem Rückendeckung von den Landesregierungen, insbesondere in Bayern, wo eine Anti-Ampel-Rhetorik zum politischen Kalkül gehört. So gesehen instrumentalisiert die Proteste jeder so ein bisschen für was anderes, wie das halt irgendwie immer so ist.


    Ich meine, der letzte großangelegte Protest war damals wegen der Milchpreise.

    Hast du eine Idee davon, weshalb du da dann erstens nur gute Erinnerungen an deine Kindheit hast und zweitens die Wahrnehmung deiner Frau erst nicht nachvollziehen konntest? Denn ich denke, sie werden ja mit dir auch nicht anders umgegangen sein, oder?

    Ich glaube, weil mein Bruder und ich sehr pflegeleicht waren in vielerlei Hinsicht. Außerdem war mein Vater arbeiten und meine Mutter hat sich um alles gekümmert, die hat das bestimmt nicht so gemacht, wie er es heute fordert. Wir haben früher total viel schöne Sachen unternommen, ich durfte bei ganz vielem mithelfen. Heute sitzt er nur noch in seinem Sessel, hat chronische Schmerzen und ist ein verbitterter Mann geworden.


    Ich konnte es anfangs nicht nachvollziehen, weil es da um andere Dinge ging. Da hat sie eher von mangelnder Unterstützung und einem egozentrischen Selbstverständnis meiner Eltern gesprochen. Ihre Eltern haben quasi keine eigenen Hobbys, alles für die Kinder, alles in Watte gehüllt. Meine Eltern sehen sich eher in der Position "wir haben euch groß gezogen, jetzt hätten wir gerne was davon, also kommt uns bitte endlich mal wieder besuchen". Also alles Dinge, wo man einfach unterschiedliche Standpunkte haben kann. Diese bissigen Kommentare zur Erziehung begannen erst, als der Große alt genug war, um überhaupt so ein Verhalten zeigen zu können.


    Meine Strategie ist inzwischen, dass ich Besuche daheim komplett vermeide, oder wenn, dann alleine hingehe, um ihre Nerven zu schonen. Und ansonsten kommt meine Mutter ab und zu alleine dabei. Leider hat sie nicht sonderlich viel Geschick irgendwie und die Kinder rennen immer wieder zu uns, so dass wir da auch nicht viel Erleichterung haben. Bei den Schwiegis klappt es besser, aber die haben halt noch 4 andere Enkel, die sie regelmäßig betreuen.


    Platypus: Ohje...

    Platypus: Das ist doch auch bitter, oder? Wenn ein Kind sich nicht-normativ verhält, wird es zurechtgewiesen, korrigiert, erzogen, die Eltern müssen sich Sprüche anhören noch und nöcher. Aber mit einer Diagnose ist es plötzlich "oh, ah, das arme Kind, die armen Eltern". Solange es keine Krankheit ist, ist man also irgendwie selbst schuld, wenn es nicht klappt.


    Wenn ich früher Kinder im Supermarkt gesehen habe, die einen Terz veranstaltet haben, dachte ich mir "oha, die haben ihr Kind nicht im Griff". Heute denke ich mir "puh, hoffentlich wird das bei meinem nicht auch jedes Mal so werden".

    Klar, funktioniert das nach ein paar Tagen. Was das Kind in der Zeit mental durchmachen muss, ist ja auch egal :face_with_rolling_eyes:

    Joa und das ist halt auch übertragbar. Wie, ihr schlaft separat, jeder bei einem Kind? Ne, den würde ich weinen lassen und irgendwann merkt er dann, dass nichts passiert. Wie, er isst keine Sauce auf die Nudeln? Nix da, dann bekommt er halt nichts anderes! Wieso weint er denn jetzt, nur weil ich die Flasche aufgemacht habe und er das machen wollte? Ihr lasst euch ja völlig kontrollieren und erpressen von ihm.

    Eben. Und nicht nur an einem eigenem Kind erlebe ich wie katastrophal wenn jemand glaubt seine feste Vorstellung von „guter Erziehung“ bei einem Kind durchsetzen zu müssen zu dem das einfach nicht passt. (Erlebe ich bei zB autistischen Kindern immer wieder)

    Ich meinte neulich zu meinem Vater, dass beim Großen im Oktober die Eingewöhnung in den Kindergarten startet. Seine dedizierte Meinung dazu "Eingewöhnung, auch so ein neumodischer Quatsch. Die müssen lernen, mit so einer Situation umzugehen. Absetzen, heimgehen, fertig. Nach ein paar Tagen ist das drin, Kinder sind anpassungsfähig".


    Ich habe wirklich nur gute Erinnerungen an meine Kindheit, aber ich habe trotzdem keine echte Bindung zu meinen Eltern. Was mit ihnen ist, ist mir schlicht egal. Mein Bruder ist seit Schulzeit extrem übergewichtig und ein People-Pleaser geworden. Mich wundert inzwischen immer weniger. Und das ist eben auch der Punkt: ich kann meine Frau verstehen, wenn sie sagt, sie würde sich lieber ein Bein abhacken, als eines unserer Kinder unbeaufsichtigt zu meinen Eltern zu geben. Habe die lange verteidigt, aber ich muss ihr inzwischen Recht geben. Gefühlsstarkes High-Need und ein Opa, der "Abhärtung" für ein probates Mittel hält, das verträgt sich einfach nicht.

    Nein, ich meinte schon sämtliche Subventionen und nicht nur die gerade öffentlich diskutierten...

    Und bei letzteren verstehe ich auch nicht, wieso die Landwirte da eine Sonderbehandlung gegenüber anderen Betrieben genießen, die die Aufwendungen für Fahrzeuge normal als Betriebskosten absetzen können und müssen.

    Na, im Grunde geht es darum, dass überall auf der Welt andere Produktionskosten herrschen. Länder/Verbünde, die den Agrarbereich subventionieren tun dies um zu verhindern, dass Lebensmittel aus anderen Teilen der Welt importiert werden und die Flächen im eigenen Land nicht genutzt werden. Außerdem sichern sie hohe Produktionsstandards. Man möchte verhindern, dass Landwirte Raubbau betreiben müssen, um genug Einkommen zu haben. Europa macht das exzessiv, aber selbst in den USA und Japan ist das gängige Praxis, weil es anders nicht funktioniert hat.


    Zum Thema Tierwohl, Stallumbau usw. kann ich leider wenig beitragen, weil ich dazu kaum Wissen habe. Ich bezweifle aber, dass wir die heutigen Standards (die ja immer noch nicht gerade tierfreundlich sind) hätten, wenn es keine Gesetze und Förderungen in dem Bereich gegeben hätte. Veterniärämter haben übrigens nicht viel mit Landwirtschaftsverwaltung zu tun, die gehören zu den Kommunen. Und ich rede hier auch nicht von Pferden, sondern von Kühen und Schweinen, das macht meines Erachtens schon einen großen Unterschied.


    Graue Socke: Ich empfinde die ganze Sache mit Agrardiesel und KfZ-Steuer auch nicht als so tragisch. Man hatte ein Haushaltsloch, das muss man stopfen. Es gab Pläne, die wurden super schlecht kommuniziert und abgestimmt, es gab Proteste, man hat reagiert und einen Kompromiss vorgeschlagen. Völlig gängige demokratische Praxis. Aber bei den Protesten geht es ja längst um das große Bild. Eigentlich hat sich das doch zu einem "Anti-Ampel-Protest" aufgeschaukelt, oder?

    Das finde ich immer falsch ausgedrückt.

    Die Bauern sollen die Natur nicht schützen, sie sollen sie nur nicht zerstören durch zuviel Gülle, Insektenvernichter und Unkrautvernichter (was immer so verharmlosend Pflanzenschutz genannt wird) usw.

    Und dass es den Tieren gut geht sollte vorderstes Interesse der Landwirte selber sein! Zumindest solange sie in deren Stall stehen - und m.M. nach auch darüber hinaus. Eigentlich sollten die Landwirte auf die Barrikaden gehen angesichts der Zustände in manchen Schlachthöfen und angesichts der Tierskandale.

    Hm, das sehe ich so nicht. Schutzmaßnahmen sind natürlich zentraler Bestandteil, aber Landwirte sind auch in der Pflicht Lebensraum zu schaffen. Durch die Anlage von Landschaftselementen (z.B. Hecken und Streifen), die einem Beseitigungsverbot unterliegen. Und auch durch die Grundregeln des "guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustands" (GLÖZ), an denen gerade heftig gerüttelt wird. 4 % der landwirtschaftlichen Fläche des Betriebs muss z.B. stillgelegt werden, was dort Habitate für Flora und Fauna ermöglicht. Wird jetzt aber abgeschwächt, weil Ukraine-Krieg. Wenn du damit aber meinst, dass man ohne Landwirtschaft den besten Naturschutz hätte...ja, das mag sein, aber ist ja auch irgendwie nicht ganz so ideal, oder?


    Die meisten Landwirte haben wirklich ein großes Interesse daran, Pflanzenschutz ernst zu nehmen. Aber es ist utopisch zu glauben, dass sie freiwillig auf Erträge verzichten, wenn sich das irgendwann in 10 oder 20 Jahren mal erst richtig auszahlt. Bei den heutigen Größenordnungen zumindest. Und ohne Kontrollen geht es auch nicht, weil die große Masse an ehrlichen Bauern nur deshalb ehrlich arbeitet, weil sie wissen, dass die schwarzen Schafe bestraft werden.


    Beim Tierschutz würde ich gar sogar widersprechen, dass es da ein großes Eigeninteresse gibt. In der Generation unserer Großeltern wurden die Tiere teils echt abscheulich behandelt und das hat sich erst geändert, als entsprechende Gesetze auf den Weg kamen.

    Marleen: Häufig scheitern bauliche Veränderungen daran, dass sie wegen kommunaler Planung untersagt sind. Weil das Ortsbild gefährdert ist, oder weil zu viel Fläche versiegelt werden würde. Das wird in Bayern sehr streng gehandhabt, was einerseits zu einer ästhetischen Kulturlandschaft führt, andererseits eigentlich jeder zum Kotzen findet, der selbst irgendwas an-, um- oder neubauen will. Und noch schlimmer, wenn man feststellt, dass die Anträge halt doch durchgehen, wenn man der Spez'l vom Bürgermeister ist. Aber (und deshalb frage ich) eben kein Problem der Landwirtschaft.

    Und da fragt man sich, inwieweit man das überhaupt KANN.

    Ich hatte mal einen Erziehungsratgeber zur Hand, in dem stand, dass Kinder nur durch Reife und Nachahmung lernen, aber nicht durch Erziehung.

    Ich weiß zwar nicht, ob das stimmt und will auch keine Grundsatzdiskussion über diese These hervorrufen...aber manchmal denke ich schon, wir erziehen uns hier dumm und dämlich, weil wir nicht akzeptieren wollen, dass manche Dinge einfach eine Frage der Reife und somit der Zeit sind.

    Das Gefühl habe ich oftmals auch, aber es ist gefährlich, dass man es sich damit zu einfach macht. Und wenn man als Eltern stark überfordert ist, schnallen das die Kinder auch, dann wird das mit dem Vorleben viel schwieriger als eine Korrektur. Wenn ich höre "ach, so ein Verhalten hätte es früher nicht gegeben", dann denke ich mir: ja klar, einen wie meinen Sohn hätten Eltern früher halt windelweich geprügelt, allein schon aus Überforderung.

    Das heisst aber auch, dass die Bauern schon seit über 50 Jahren jammern weil sie sich schon immer irgendwie übersehen/benachteiligt fühlen.

    Jemand der so lang jammern kann ist nicht am ertrinken.

    Das ist auch eine andere Aussage als eben, damit kann ich deutlich mehr anfangen :grinning_face:

    Das habe ich hier glaube ich vor ein paar Wochen schon geschrieben, wie es zu den immer wiederkehrenden Protesten (meiner Meinung nach!) kommt: in keiner anderen Berufsgruppe kollidieren so viele Erwartungen auf einmal. Landwirte sind Nahrungserzeuger, Naturschützer, Landschafts- und Brauchtumpfleger und am Ende wollen sie auch selbst ihr Leben verdienen. Ihnen kommt eine ganz besondere Rolle in der Gesellschaft zu und daran geknüpft sind auch viele Erwartungen und Pflichten. Das alles zu vereinen ist unglaublich schwierig. Das mit dem Agrardiesel war ja auch "nur" ein Auslöser, aber der Unmut schwelt eigentlich permanent und dann braucht es das Ventil. Die Umweltseite sagt "ihr müsst Biodiversität schützen, Gewässer schützen, Klima schützen!", die Gesellschaft sagt "ihr müsst Nahrungsmittel produzieren! Ihr müsst schauen, dass es den Kühen gut geht!", der Tourismus sagt "ihr müsst mehr Betten anbieten, Events für Kinder veranstalten, einen 24/7 Automaten aufbauen!". Und irgendwann reichts vielen, sie gehen auf die Straße und sagen "äh, fragt uns auch mal jemand, was WIR eigentlich wollen?". Durch die Medien geistern auch oft Zahlen darüber, wie stark die Einkünfte in der Landwirtschaft dieses Jahr gestiegen sind. Wenn man sich längere Zeitreihen ansieht, ist das Bild anders. Man kann nicht einzelne Geschäftsjahre rauspicken, wie man das bei anderen Wirtschaftszweigen tun würde, weil die Risiken viel höher sind.


    Also, nein, ertrinken muss die Branche sicher nicht, aber zu protestieren und sich auch immer wieder deutlich in der Gesellschaft zu zeigen, finde ich nicht verkehrt. Verkehrt finde ich, dass sie in Frankreich mit dem Pflug ganze Straßenzüge aufschlitzen und man in Brüssel dann sofort springt und Zugeständnisse macht, die weit über das hinausgehen, was eigentlich gefordert wurde und wiederum uns vor riesige Probleme stellt.


    Marleen: Bauliche Auflagen im Sinne von Tierschutz oder im Sinne von kommunaler Bauleitplanung? Letztere sind in Deutschland streckenweise wirklich vogelwild.

    MrWinterbottom: Ich würde schätzen, dass etwa 80 % der Leute, die an den Ämtern oder bei uns arbeiten, einen landwirtschaftlichen Betrieb nebenbei führen oder sogar auf einem aufgewachsen sind. Die Verbindung zum eigentlichen Klientel ist deutlich höher als in fast allen anderen Fachbereichen des Staats. Zu behaupten, die Leute in den Behörden hätten den Bezug zum Landwirt längst verloren, ist eine völlig falsche Aussage und hat nichts mit den eigentlichen Verhältnissen zu tun.

    Wieso wird denn überhaupt Geld an Landwirte verteilt? Sollten ja eigentlich wirtschaftlich unabhängig lebensfähige Betriebe sein... :thinking_face:

    Das meinst du jetzt hoffentlich sarkastisch, oder?

    Ich denke schon, dass in der Landwirtschaft und dem verbundenen Bürokratie-Dschungel einiges gewaltig schief läuft - aber nachdem da auch sehr viele sehr gut mitverdienen und dafür Lobbyarbeit leisten, ist der Widerstand gegen wirkliche durchgreifende Veränderungen sehr stark.

    Wie man gerade schon bei vergleichsweise marginalen Schritten beobachten kann...

    Man stelle sich erst den Aufschrei vor, wenn da wirklich jemand mit einem Masterplan für die europäische Landwirtschaft daher käme, der massiv Subventionen an ökologische Produktion für den eigenen Markt koppeln würde...

    Bürokratie existiert ja gerade deshalb, um möglichst faire Verhältnisse zu schaffen und um auch Dinge durchzusetzen, die vom Markt alleine nicht geregelt werden können (z.B. Ökologie). Ohne ein gewisses und vermutlich gar nicht mal so unerhebliches Maß an Bürokratie würden die Großunternehmen noch viel stärker profitieren, weil das Geld mit der Gießkanne verteilt wird.


    Problematisch ist es eben dann, wenn die Bürokratie sich selbst ins Knie schießt. Wenn Landwirte beginnen, auf Geld für die ökologische Bewirtschaftung zu verzichten, weil der Aufwand zur Beantragung oder bei den Kontrollen den Nutzen weit übersteigt. Aktuell laufen übrigens von Europa bis runter zu den Ämtern Bemühungen zum Bürokratieabbau und da sind einige sehr sinnvolle Punkte dabei. Leider ist es aber oft so: weniger Bürokratie für den Landwirt = mehr Arbeit (Personal, Kosten, ...) an den Behörden und umgekehrt.

    Absolut!!!

    Ich habe auch ein hochsensibles und bedürfnisstarkes Kind. Über die Jahre habe ich mir dahingehend ein dickes Fell zugelegt, in welchem Rahmen und mit wem ich über „Fremdbestimmung“ und generell Elternschaft ich spreche. Als Mama sowohl von einem bedürfnisstarken wie auch einem „Anfänger“-Kind sehe ich nämlich tagtäglich die Unterschiede und damit auch den immensen Einfluss auf das komplette eigene Leben.

    Sehe ich auch so. Allein schon aus Selbstschutz begebe ich mich inzwischen so gut wie gar nicht mehr in die Situation, in der mir andere Leute mir Ratschläge erteilen könnten, oder mir erklären, dass es schon hauptsächlich an der Erziehung liegt, wenn ein Kind sich "so" verhält. Bei meinen Eltern lässt es sich leider nicht vermeiden, da muss ich zwangsläufig auf Durchzug schalten.


    Gleichzeitig besteht dann die Gefahr, dass man beratungsresistent wird und sich sagt "naja, das Kind ist eben so, kann man nichts machen". Das ist für mich immer eine echt schwierige Balance: einerseits das Kind so zu lieben und zu akzeptieren, wie es ist. Andererseits mit Erziehung gegen bestimmte Dinge steuern und korrigieren.

    Aber ich kenn den Spruch schon aus Kindertagen „solange die Bauern jammern geht‘s ihnen gut.“

    Hat vielleicht einen Grund, dass man sowas eher als Kind schluckt und nicht als Erwachsener. Heißt nämlich: erst wenn jemand nicht mehr in der Lage ist sich zu äußern, geht's ihm wirklich schlecht. Praktischerweise hört das dann ja auch niemand. Ich stelle mir gerade einen Ertrinkenden vor, dem man nicht hilft, weil er offensichtlich noch Luft zum Schreien hat. Ah, jetzt ist er still, hat sich wohl erledigt, toll!


    Deine eigene persönliche Situation sagt nichts darüber aus, wie es anderen geht. In Deutschland jammern so gut wie alle auf hohem Niveau, da braucht man nicht mit dem Finger auf andere zeigen. Und gar von einem "ganz ganz hohem Niveau" zu sprechen, halte ich für dezent realitätsfern.