Purzelbaum's Mußeraum

  • ein Raum für alles, was sonst keinen Platz findet in einem anderen Faden, wie Texte, Gedichte, Philosophie, Schmafuh und Schnatterei , oder einfach zum Innehalten .


    Ich stelle mal ein Gedicht rein von RainerMaria Rilke sowie :smiley_emoticons_redwine::sunflower:



    Man muss den Dingen die eigene, ungestörte Entwicklung lassen,

    die tief vom Innern kommen muss

    und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann.

    Alles ist austragen und dann gebären…

    Reifen wie der Baum,

    der seine Säfte nicht drängt

    und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,

    ohne die Angst, dass dahinter kein Frühling kommen könnte.

    Er kommt doch.

    Aber er kommt nur zu den Geduldigen,

    die da sind,

    als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,

    so sorglos still und weit.

    Man muss Geduld haben gegen das Ungelöste im Herzen

    und versuchen, die Fragen selbst lieb zu haben,

    wie verschlossene Stuben und wie Bücher,

    die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.

    Es handelt sich darum, alles zu leben.

    Wenn man die Fragen lebt,

    lebt man vielleicht allmählich,

    ohne es zu merken eines fremden Tages

    in die Antwort hinein.

    von Rainer Maria Rilke

  • Ich ergänze mit Heinz Erhardt und dem Ritter Fips. Ich mag Gedichte eigentlich nicht. Aber dieses gefällt mir :grinning_squinting_face:


    Es stand an seines Schlosses Brüstung
    der Ritter Fips in voller Rüstung.

    Da hörte er von unten Krach
    und sprach zu sich: "Ich schau mal nach!"
    und lehnte sich in voller Rüstung
    weit über die erwähnte Brüstung.

    Hierbei verlor er alsobald
    zuerst den Helm und dann den Halt,
    wonach -verfolgend stur sein Ziel-
    er pausenlos bis unten fiel.
    Und hier verlor er durch sein Streben
    als drittes nun auch noch sein Leben,
    an dem er ganz besonders hing ---!

    Der Blechschaden war nur gering...


    Schlussfolgerung:
    Falls fallend Du vom Dach verschwandest,
    so brems, bevor Du unten landest

  • Ich schließe mich mit Rilke an. Mein absolutes Lieblingsgedicht.


    DER PANTHER


    Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe

    so müd geworden, daß er nichts mehr hält.

    Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe

    und hinter tausend Stäben keine Welt.



    Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,

    der sich im allerkleinsten Kreise dreht,

    ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,

    in der betäubt ein großer Wille steht.



    Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille

    sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,

    geht durch der Glieder angespannte Stille –

    und hört im Herzen auf zu sein.


    Es gibt einen Film mit Robert De Niro und Robin Williams, der auf wahren Begebenheiten beruht. "Zeit des Erwachens". Der Film ist toll und während einer Szene wird das Gedicht

    rezitiert. Gänsehautmoment.

    Ich bin eine Elfe – nur zu schwer zum fliegen – aber ich bin eine Elfe! 🧚‍♀️

  • Ich kannte das Gedicht vorher nicht. Als ich es dann in dem Film gehört hatte, war das einfach nur wie eine Explosion für mich. Sehr eindrücklich, eingebaut in die Thematik des Films und da der Panther mein Lieblingstier ist neben normalen Hauskatzen, hat sich das doppelt eingebrannt.

    Ich bin eine Elfe – nur zu schwer zum fliegen – aber ich bin eine Elfe! 🧚‍♀️

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  • so, endlich Abendruhe :-)

    Ich hab mich heute NM bei Lesen hier gefragt, was ein Realist ist ? Gibt es einen objektiven Maßstab dafür ?

    Bin ja öfters ein verträumter Mensch, trotzdem fühle ich mich nicht lebensfern und meine Füße stehen nicht immer, aber doch oft auf dem Realitätsboden.

    Hoffnung, Ideale- können die nicht Hand in Hand mit der Realität gelebt werden?

    Was ist denn eigentlich Realität? Wer bestimmt, was real ist ?

    Wie würde die Welt aussehen , ohne Hoffnung , ohne Ideale ?

  • Trotzdem .........................stimme ich Erich Fried zu

    Du liebe Zeit

    Da habe ich einen gehört

    wie er seufzte: Du liebe Zeit!

    Was heißt da Du liebe Zeit?

    Du unliebe Zeit, muss es heißen

    Du ungeliebte Zeit!

    von dieser Unzeit, in der wir

    leben müssen. Und doch

    Sie ist unsere einzige Zeit

    Unsere Lebenszeit

    Und wenn wir das Leben lieben

    können wir nicht ganz lieblos

    gegen diese unsere Zeit sein

    Wir müssen sie ja nicht genau so

    lassen, wie sie uns traf

    Erich Fried

  • „Wenn ein kleiner Junge ein Stück Holz unterm Ofen hervorholt und zu dem Holz "Hü!"sagt, dann ist es ein Pferd, ein richtiges lebendiges Pferd. Und wenn der große Bruder sich kopfschüttelnd das Holz betrachtet und zu dem kleinen Jungen sagt: "Das ist ja gar kein Pferd, sondern du bist ein Esel", so ändert das nicht das Geringste daran. Und mit meiner Zeitungsnotiz war es ähnlich. Die anderen Leute dachten: Na ja, das ist eben eine Notiz von zwanzig Zeilen. Ich aber murmelte "Hokuspokus!," und da war's ein Buch.“

    Erich Kästner/ Pünktchen und Anton

  • Quote

    Die alten Bücherfreunde, die Meggie schon besessen hatte, bevor sie bei Elinor eingezogen waren, bewohnten weiter die Kiste, und als sie den schweren Deckel öffnete, war es ihr, als drängten ihr fast vergessene Stimmen entgegen, als blickten sie vertraute Gesichter an. Wie zerlesen sie alle waren... 'Ist es nicht seltsam, wie viel dicker ein Buch wird, wenn man es mehrmals liest?', hatte Mo gefragt, als sie sich an Meggies letztem Geburtstag noch einmal jedes ihrer altvertrauten Bücher angesehen hatten. 'Als würde jedes Mal etwas zwischen den Seiten kleben bleiben. Gefühle, Gedanken, Geräusche, Gerüche... Und wenn du dann nach vielen Jahren wieder in dem Buch blätterst, entdeckst du dich selbst darin, etwas jünger, etwas anders, als hätte das Buch dich aufbewahrt, wie eine gepresste Blüte, fremd und vertraut zugleich.'... Eine andere Meggie hatte in dem Buch gelesen, so anders... und zwischen seinen Seiten würde sie bleiben, aufbewahrt wie ein Andenken.

    aus Tintenblut, Cornelia Funke

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