Afghanistan - ein zweites Vietnam?

  • Man muss auch sehen, dass die Drohnenangriffe nicht nur auf afghanischem Territorium stattfanden. Dann hätte man Osama bin Laden auch in einem deutschen Hotel mit einer Eingreiftruppe zur Strecke bringen können.

    Ebenso sind die "Todeslisten", die mit den Drohnen abgearbeitet wurden, ein Verbrechen an sich. Kriegsverbrecher gehören nach Den Haag und nicht vor die Zieloptik einer Hellfire-Rakete. Und auch nicht ohne Prozess für Jahre nach Guantanamo, extra dafür geschaffen als exterritorialer und rechtsfreier Raum.

    Das ist MEINE Vorstellung von Völkerrecht, die ich von der "ältesten Demokratie" der Welt erwarte.

  • ja, niemand kann Krieg führen und dabei "sauber" bleiben, d.h. keine unschuldigen Zivilisten töten!

    Genau das ist ja der Sinn des alten Sprichworts

    "Das erste Opfer des Krieges ist die Unschuld"


    Aber die Hersteller und Benutzer militärischer Drohnen suggerieren ja genau das, nämlich daß auf diese Weise gezielte Angriffe ohne unschuldige Opfer geflogen werden können...

    Und wenn es doch passiert, dann kommen immer die gleichen lahmen Entschuldigungen und Versprechen, daß in Zukunft, wenn erstmal Drohnen mit noch viel besserer KI im Einsatz sind, solch Vorfälle nicht mehr vorkommen.


    Also immer das gleiche alte Märchen von perfekter Technik in naher Zukunft, die natürlich nur zum Wohle aller Menschen eingesetzt wird, und unser aller Leben erleichtert, sogar das Kriegführen.

    Ich finde das in etwa so glaubwürdig, wie die bekannten Storys von unschlagbaren Wunderwaffen aus dem 2.Weltkrieg...

  • Und auch nicht ohne Prozess für Jahre nach Guantanamo, extra dafür geschaffen als exterritorialer und rechtsfreier Raum.

    Zur Zeit gibt es noch 39 Gefangene auf Guantanamo. Es waren mal 779. Nicht zuletzt wegen der weltweiten Proteste reduzierten die Amerikaner die Zahl der Inhaftierten. Russen oder Chinesen hätten sich in eine Lagerführung niemals reinreden lassen.

    Ich sehe Guantanamo als eine unschöne Verlegenheitslösung. Wer den IS mit seinen Gotteskriegern, die den Tod nicht fürchten, gegen sich hat, kommt mit ordentlichen Prozessen nicht weit. Guantanamo fürchten sie, die Islamisten, weil es für sie keine größere Erniedrigung gibt.

  • Wer den IS mit seinen Gotteskriegern, die den Tod nicht fürchten, gegen sich hat, kommt mit ordentlichen Prozessen nicht weit. Guantanamo fürchten sie, die Islamisten, weil es für sie keine größere Erniedrigung gibt.

    Warum? Weil man sie schlecht zu fassen kriegt? Aber den Guantanamo-Insassen hätte auch ein ordentlicher Prozess in den USA gemacht werden können - denn man hatte sie schon. Oder man hatte eben keine echten Beweise, dass sie "furchtlose Gotteskrieger" mit Blut an den Händen waren. Und Folter ist auch kein Zeichen von demokratischem Recht.

  • Man hat sich mit der Behandlung der Gefangenen von Guantanamo auf der ganzen Welt keine Freunde gemacht.

    So ist es, und glücklicherweise kommt mit den technischen Mitteln von heute davon auch manches ans Licht!


    Mir scheint lediglich, dass manche, denen die USA "heilig und unantastbar" ist, dann zum Argument "der Zweck heiligt die Mittel" greifen.

  • Warum? Weil man sie schlecht zu fassen kriegt? Aber den Guantanamo-Insassen hätte auch ein ordentlicher Prozess in den USA gemacht werden können - denn man hatte sie schon.

    Nach Möglichkeit möchte man Schauprozesse vermeiden. Auf der ganzen Welt könnten amerikanische Staatsbürger Opfer von Vergeltungsmaßnahmen werden. Nicht auszudenken, wenn die damals Osama bin Laden lebendig gefangen hätten. Sie hätten ihm den Prozess machen müssen. So aber ging alles "kurz und schmerzlos", kein Foto, kein Bericht, keine Fakten. Es gab für Islamisten keinen Angriffspunkt. (Jetzt, nach 20 Jahren, ist einer des Einsatzkommandos dabei, auszupacken, obwohl allen ein Stillschweigen auferlegt wurde).

  • Belafonte kein Angriffspunkt? Das würde ich nicht sagen.

    Vielleicht kein persönlicher, also daß es keine gezielten Anschläge auf die betreffenden Richter oder Gefängsniswärter gab, weil der Typ gleich tot war.


    Aber allgemeine Angriffspunkte gab und gibt es genug.

    Nach Al Kaida-Logik waren dann eben alle Amis, oder zumindest alle amerikanischen Soldaten schuld am Tod Ihres tollen Helden, also konnte man durchaus mit Anschlägen auf alle möglichen USamerikanischen Militäreinrichtungen rechnen...


    Übrigens, daß in Europa und den USA schon viele islamistische Anschläge vereitelt wurden, liegt u.a. daran, daß auch Terroristen und Selbstmordattentäter ihre Finger nicht vom Internet lassen können, und schon im Voraus gerne mit ihren Taten prahlen.

    Durch diese Neigung zur Selbstdarstellung wurde ja gerade erst in Hagen ein solcher Anschlag glücklicherweise rechtzeitig bekannt und verhindert!

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!